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Die Fahrschule
In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war das Führen eines Automobils noch ein komplizierter und technisch anspruchsvoller Vorgang. Inhaber eines solchen Luxusgutes stellten meistens eigens dafür ausgebildete Chauffeure an. Doch der Gedanke, dass das Führen eines Kraftfahrzeuges für jedermann möglich sein sollte, setzte sich immer mehr durch, wobei 1921 das erste Mal die Begriffe „Fahrschule“ und „Fahrlehrer“ auftauchten. Technisch versierte und geschickte Autofahrer sollten hierbei die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten weitervermitteln.

Karl Wölfle im Lehrsaal der Fahrschule

Manch einer träumt heute von so einer Rechnung
Einer von diesen war Karl Wölfle, Leiter einer staatlichen Motorsportschule. Als es in Deutschland möglich wurde, als Privatperson eine Fahrschule zu betreiben, eröffnete er 1933 in Tübingen die „Privat-Fahrschule Wölfle“. Über 20 Jahre betrieb er dort ein florierendes Unternehmen und viele der ältesten Führerscheininhaber von Tübingen verdanken ihm das begehrte Dokument.

So sahen damals Lehrbücher aus
In den fünfziger Jahren musste Karl Wölfle aus gesundheitlichen Gründen in der praktischen Ausbildung kürzer treten. Sein Sohn Alfred Wölfle zog daraufhin von Bad Canstatt nach Tübingen, um die Fahrschule zu übernehmen. Unter ihm gab es mehrere Kooperationen mit anderen Fahrschulen und der Standort wechselte mehrmals, um schließlich in der Friedrichstraße zu landen, wo sich die Fahrschule heute noch befindet. Er leitete das Unternehmen durch die turbulenten sechziger und siebziger Jahre, in denen sich sowohl der Straßenverkehr als auch die Kundschaft stark veränderte: War zuvor das Autofahren reine Männersache, so strebten jetzt immer mehr Frauen eine Fahrerlaubnis an, zusätzlich gab es durch die sogenannten „Gastarbeiter“ eine neue Gruppe von Fahrschülern.
Alfred Wölfles Sohn Wolfgang verstärkte das Team in den späten Sechzigern. In einer Zeit, als die Fahrlehrer noch im Anzug zur praktischen Prüfung ihrer Schützlinge erschienen und den Prüfer zum Mittagessen einluden, war der junge Ausbilder fast schon ein Rebell. Unvergessen die Geschichte, als er einen unfairen Prüfer, der den Fahrschüler während der Fahrt ständig annörgelte, mitten zwischen Wankheim und Kusterdingen aus dem Auto warf. Wolfgang Wölfle übernahm den Betrieb in den Achtzigern und leitete ihn bis 2006, wobei ihn sein ältester Sohn Andreas von 1996 an unterstützte und schließlich als Leiter ablöste. Obwohl mittlerweile in Rente, hilft Wolfgang auch heute noch bei Andreas aus, denn was ein Fahrlehrer aus Fleisch und Blut ist, der kann es auch im Rentenalter nicht lassen.
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